Geschichte

Gründung der Volkschores

 

Einer der ersten Vereine in Bergheim

Das Jahr 1850 und ein sangesfreudiger Lehrer namens F.M Schorn stehen am Anfang der Geschichte des Bergheimer Volkschors. Nur etwa 550 Menschen lebten zu dieser Zeit innerhalb der Bergheimer Stadtmauern. Freizeit und Freizeitmöglichkeiten waren rar; Feste und Vereinsaktivitäten gehörten zu den seltenen Gelegenheiten für Geselligkeit. Der wohl wichtigste Verein war die St. Sebastianus Schützenbruderschaft, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Dass es daneben noch andere Vereine in Bergheim gab, ist eher unwahrscheinlich. Denn zu einer größeren Welle von Vereinsgründungen kam es erst nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871. Mehr als zwanzig Jahre also, bevor es Mode wurde, Vereine zu gründen, rief Lehrer Schorn mit einigen musikbegeisterten Herren den "Bergheimer Gesangsverein" ins Leben. Mitglied werden durften zunächst aber nur Männer, Frauen wurden vom Vereinsleben ausgeschlossen.

Volkschor

Vom Männergesangsverein zum gemischten "Volkschor"

Erst mehr als vierzig Jahre nach der Gründung des "Bergheimer Gesangsvereins", im Jahr 1893, öffnete sich der Chor auch für Frauen. Diese Phase des gemeinsamen Singens sollte jedoch zunächst Episode bleiben. Erst 1920 – wiederum fast dreißig Jahre später – wagten die Bergheimer einen erneuten Versuch. Diesmal jedoch war die Gründung von Erfolg gekrönt, und der "Volkschor" stand nun allen Bergheimer Bürgern offen. In den nächsten Jahren waren beide Chorgemeinschaften, Männergesangsverein und "Volkschor", eng miteinander verbunden: Die Leitung beider Vereine lag in einer Hand, und viele Mitglieder gehörten beiden Formationen an. Wie rege das musikalische und gesellige Leben beider Chöre war, spiegelt sich in Anzeigen und Presseartikeln der Bergheimer Zeitung wider. So wirkten die Sänger bei fast allen öffentlichen Anlässen der Stadt mit. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der noch heute bestehende Name "Volkschor" dann zur alleinigen Bezeichnung der Bergheimer Chorgemeinschaft.


Vereinsfreudiges Rheinland

Auch wenn die Gründung eines Vereins wie des Männergesangsvereins in Bergheim 1850 eine Ausnahmeerscheinung war, steht sie dennoch in engem Zusammenhang mit der kulturellen Entwicklung im Kölner Land: Schon 1842, acht Jahre also vor der Bergheimer Gründung, wurde der Kölner Männergesangsverein begründet. Zudem hatte der bereits 1840 zum König gekrönte Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Weiterbau des noch immer unvollendeten Doms vorangetrieben. Er wurde Protektor des Kölner Dombauvereins und führte am 4. September 1842 die symbolischen Hammerschläge aus, die den Weiterbau einleiteten. Noch viele Jahren später erinnerten die Kölner und die Landleute sich an die freudige Stimmung und vor allem den Gesang des Tages. Offenbar beeinflussten diese Art der Musikpflege und die Sangesfreude der Kölner auch das Umland.

Strahlungskraft der Großstadt Köln

Überall im Rheinland entstanden nach der Gründung des Kölner Dombauvereins weitere Dombauvereine, in denen für das große Ziel der Vollendung des Domes gesammelt wurde. Auch in Bergheim wurde ein solcher Hilfs-Dombauverein ins Leben gerufen, der bald hundert Mitglieder hatte. Daneben wurden im Bergheimer Umland weitere Vereine mit anderen Zielen gegründet: So wurde in der Nachbarstadt Bedburg schon 1847 Karneval gefeiert, wie eine in diesem Jahr bei Leonhard Moeker in Bergheim erschienene Sammlung Bedburger Karnevalslieder belegt. In anderen Orten des Erftlandes, so z.B. in Hüchelhoven und Niederembt, gaben Laientheatergruppen wichtige Impulse für das örtliche Vereinsleben. (SH)