Bergheim zur Zeit der Gründung

 

Nicht wenige Menschen wollten in der Mitte des 19. Jahrhunderts in die "Neue Welt" auswandern und stellten daher beim damaligen Landrat Carl Hubert Frei-Raitz von Frentz einen entsprechenden Antrag. Denn das Leben der Bergheimer Bauern war hart und anstrengend. In der nicht einmal tausend Einwohner umfassenden Gemeinde Bergheim-Bergheimerdorf gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Zuckerrübenanbau, der heute die rheinische Landwirtschaft prägt, und auch die Getreideerträge waren nur gering. Da die landwirtschaftlichen Betriebe zudem meist sehr klein waren, lebten die Bauern in bedrückenden Verhältnissen. Auch die Situation der Handwerksbetriebe war nicht viel besser. Denn durch den Bau der Rheinischen Eisenbahn von Köln nach Aachen hatte der vorher lebhafte Durchgangsverkehr in Bergheim erheblich nachgelassen. Die Übersiedelung nach Amerika verhieß in dieser Situation für viele ein besseres Leben. Die Gründung des Bergheimer Volkschores fiel daher in eine wirtschaftlich schwierige Zeit.

 

Vorindustrielle Gesellschaft

Ohne elektrisches Licht, ohne eine zentrale Wasserversorgung, ohne feste Wege lebte die Bergheimer Bevölkerung somit in einer vorindustriellen Gesellschaft. Auch Reisen war so gut wie unmöglich. Wer einige Male in seinem Leben zu Fuß oder mit der Postkutsche nach Köln gekommen war, hatte bereits etwas erlebt. Diejenigen Bergheimer Zeitgenossen, die sich über die Welt informieren wollten, lasen die Bergheimer Zeitung, die einmal in der Woche erschien.

 

Blüte, Niedergang und
Wiederaufstieg

Anders als in weiten Teilen des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt im Mittelalter prosperiert. Denn damals war Bergheim Zoll- und Münzstätte der Herzöge von Jülich und gleichzeitig auch Marktort. Es hatten sich jüdische und lombardische Fernhandelskaufleute niedergelassen und viele einheimische Fernhandelskaufleute besuchten die großen rheinischen und niederländischen Messen und verdienten vor allem im Waid- und Tuchhandel ihren Lebensunterhalt.
Auch die lange rechteckige Mauer mit Türmen und zwei Stadttoren, dem Kölner und dem heute noch erhaltenen Aachener Tor, konnte jedoch nicht verhindern, dass Bergheim im Jahre 1542 durch kriegerische Wirren zwischen dem Landesherren und Kaiser Karl V. weitgehend zerstört wurde. Ihre alte Bedeutung konnte die Stadt danach bis zum 19. Jahrhundert nicht wieder erlangen. Erst nach dem Ende des alten Reiches und dem Übergang an Frankreich wurde Bergheim Hauptort des gleichnamigen Kantons, nach der Besitzergreifung durch Preußen 1816 Kreisstadt und somit wieder übergeordnetes Verwaltungszentrum. Der abermalige Aufschwung der Stadt begann dann mit der Industrialisierung in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Zur städtischen Entwicklung trugen damals besonders die Braunkohlengruben in der Nähe der Stadt und der Anschluss an das rheinische Eisenbahnnetz bei.

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